Ehrenmitglied

 Unser Ehrenmitglied

Waltraud Friedericke Luise Brinkmann

 

  Waltraud Brinkmann wurde am 16. Mai 1924 in Bielefeld geboren.

Seit ihrem 15. Lebensjahr ist sie begeisterte Waldzitherspielerin.

 Und mit 91 Jahren war sie gemeinsam mit ihrem Sohn Joachim Brinkmann zur Eröffnung der Sonderausstellung „Teuflisches Spiel auf Kamee und Cister“ in Suhl zu Gast.

Frau Brinkmann hat ein umfangreiches Repertoire auf der Waldzither.

Sie spielt die Melodien nach Gehör und hat sich ihre musikalischen Kenntnisse und Fähigkeiten autodidaktisch angeeignet. Ein wahres Naturtalent!

 Als Schülerin hatte sie sich eine Mandoline ausgeliehen und sich auf dieser einige Musikstücke beigebracht. Ihre Freundin Elfriede spielte eine Hamburger Waldzither. Das schöne Instrument mit seinem vollen Klang begeisterte auch Waltraud.

Von nun an war es ihr größter Wunsch, eine Waldzither zu besitzen.

Aber ihr Vater, von Beruf Weber, war von 1932 bis 1936 arbeitslos und so konnte dieser Wunsch vorerst nicht erfüllt werden.

Das Weihnachtsfest 1938 wird Waltraud Brinkmann nie vergessen.

Sie bekam ein Geschenk, das ihr, ihrer Familie und ihren Freunden bis heute große Freude bereitet.

 Der Vater, wieder in Arbeit und Lohn, begab sich im Dezember 1938 in das Musikhaus Niemeyer in der Altstadt von Bielefeld und erfüllte seiner Waltraud ihren sehnlichsten Wunsch. Er kaufte eine Thüringer Waldzither, die wahrscheinlich in Crawinkel gefertigt wurde.

 Die Freude war riesengroß und gemeinsam mit zwei Freundinnen wurde gern und oft musiziert.

 Der Zweite Weltkrieg begann und in Bielefeld wurden mehrere Lazarette eingerichtet.

Beim Spazierengehen hatten die Mädchen ihre Instrumente dabei und oft wurde im Park aufgespielt. Immer mehr verwundete Soldaten kamen heran und lauschten den Klängen der Waldzithern, so manchem wurde ein musikalischer Wunsch aus seiner Heimat erfüllt.

Und so brachten die Mädchen mit ihrem Waldzitherspiel in dieser schweren Zeit etwas Sonne und Freude in die Herzen der Soldaten.

Auch im Vereinshaus des Sportvereines gaben sie kleine Konzerte.

Und in den folgenden Jahren erfreute Waltraud bei jeder Feier, bei jedem gemütlichen Beisammensein ihre Familie und ihre Freunde mit ihrer Waldzither.

 Das historische Instrument hat viel „erlebt“ und mit der Zeit wurden die Stimmwirbel aus Holz locker und der Instrumentenhals brüchig. Ein neues Instrument kam nicht in Frage. Waltraut Brinkmann und ihre Thüringer Waldzither gehören zusammen.

 So begann für den Sohn Joachim Brinkmann eine lange Odyssee, um einen Instrumentenbauer zu finden, der dieses Problem lösen könnte.

 Nach längerem Suchen und Recherchen im Internet  rief er mich im Waffenmuseum an. Matthias Wiewiorra beriet sich daraufhin mit Christian Sandner. Als ich dem Vorstand unseres Vereines davon erzählte waren sich alle einig, Waltraut Brinkmann wird Ehrenmitglied in unserem Verein „Freunde und Förderer der Waldzither e.V.“.

 Dies geschah dann zur Eröffnung der Sonderausstellung am 06. Juni 2015.

Unser Instrumentenbauer Christian Sandner nahm anschließend das Instrument mit in seine Werkstatt nach Erlbach und bereits am 03. Juli 2015 zum 25. Folk-Roots-Weltmusik-Festival (TFF) in Rudolstadt kehrte die Waldzither zu ihrer Besitzerin zurück.

 Und so konnte Joachim Brinkmann nach 77 Jahren seiner Mutter wieder einen Herzenswunsch erfüllen. Das alte Instrument erstrahlt in neuem Glanz.

 Bis heute spielt Waltraud Brinkmann täglich auf ihrer Waldzither. Dieses Hobby ist für sie ein wahrer Jungbrunnen. Sie hat mit ihren 91 Jahren noch eine Ausstrahlung, Lebensfreude und Vitalität wie man sie sich nur wünschen kann.

 Und ich hoffe, dass wir uns zum Cister-Symposium in zwei Jahren wieder in Suhl treffen und gemeinsam musizieren. Ich wünsche Frau Brinkmann noch viele schöne Jahre und viel Freude beim Spielen ihrer geliebten Waldzither.

 Doris Eckhardt


Waltraud Brinkmann im Jahre 1938 mit der Hamburger Waldzither ihrer Freundin Elfriede



Christian Sandner übergibt in Rudolstadt die “neue” Waldzither an Joachim Brinkmann