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Liederbolt
(22 Posts bisher)
08.03.2015 17:38 (UTC)[zitieren]
Dieses Instrument wurde als "Heym-Cister" verkauft. Eine Signatur ist äußerlich nicht sichtbar vorhanden. Nachdem ich einige Bilder angeschaut habe, könnte sie aber auch von Friedrich Ludwig Möller stammen, und aufgrund der Saitenbefestigung mit Häkchen am Untersteg eines seiner früheren Instrumente sein... (?)





Sie ist eingerichtet für 4 Doppelchöre und zwei einzelne Baßsaiten, von denen eine frei neben dem Griffbrett verläuft. Mensur = ca. 41 cm. Würde sie als Tenor-Waldzither (?) einstufen, und mit den üblichen Lenzer-Saiten für Waldzither in C ausrüsten. Diese würden dann wegen der kürzeren Mensur etwas leichter spannen als üblich...

Interessant ist auch die Bundierung. Die ungleichmäßigen Abstände der Bünde deuten auf eine mitteltönige Temperierung hin.

Stimmung denke ich entweder:

- G, c, gg, ´c´c, éé, ´g´g

oder:
- c, e, gg, ´c´c, éé, g´g´
(?)

Werde wohl zunächst die Decke abnehmen, und dann die Risse versorgen. Die miese Saitenlage mag ich über das Abschleifen des Steges korrigieren. Lautenbauer Renatus Lechner unterstützt mich bei der Restauration. Nach seiner Anweisung baue ich zunächst eine Vorrichtung auf MDF-Platte, die verhindert dass sich die Schale nach dem Abnahmen der Decke verzieht.

Bilder und Bericht werden hier folgen...
Waldzither
(2 Posts bisher)
09.03.2015 11:32 (UTC)[zitieren]
Hallo Liederbolt !
Ein sehr schönes Instrument ! Ich denke auch, daß es eine "Möller" ist.
Ich finde es toll, daß Du Dir die Mühe machst, Bilder und Berichte der Instandsetzung hier postest.
Genau davon lebt eine Seite wie diese !
Danke und beste Grüsse aus Suhl !
der Matthias
Liederbolt
(22 Posts bisher)
30.03.2015 08:43 (UTC)[zitieren]
Dann darf es beginnen. Zuerst muss der Saitenhalter ab. Ein dünnes Blech dient als Schutz, und mit einem flach geschliffenen Schraubendreher wird er vorsichtig runtergehebelt. Zum Glück sind die Haken innerlich nicht korrodiert und lassen sich relativ leicht herausziehen.





Nun ab in die vorbereitete "Formstütze". Feuchte Taschentücher umzu, um den alten Leim anzulösen:



Mit Plastikfolie abdecken und über Nacht ziehen lassen.



Musste an den Enden nochmal mit Taschentüchern über den Klötzen nachlösen. Danach unter Infrarot mit einem stumpfen Messer vorsichtig die Decke abhebeln.



Schwierig war es an den Leisten - aufgrund der Konstruktion ließ sich die Decke nicht mit den Leisten zusammen abnehmen. Habe dann tropfenweise mit einer Kanüle heißes Wasser zwischen Leiste und Decke injiziert - nach ca. 15 min immer ein kleines Stückchen mit dem (heißen) Messer druntergehebelt...
...bis dann (spät zur Nacht) die Decke runter war. Leider ist auch im Inneren keine Signatur vorhanden.





Die Kombination aus Wasser, Wärme und "Hochbiegen" ließ die Decke sich arg verziehen. Deshalb kam das wellige Stück über Nacht in die "Presse"...



...wo es wieder schön gerade wurde:



Dann kann ich mich nun den Rissen auf der Decke widmen...

Liederbolt
(22 Posts bisher)
30.03.2015 18:53 (UTC)[zitieren]
Aus Sperrholz sägte ich den Deckenumriss aus - die äußere Umrandung dient auf einer vorbereiteten USB-Platte dazu mittels kleiner Keile die Risse zusammenzudrücken. Dachte erst der große Riss benötigt einen Span - aber er ließ sich gut schließen:



Plastikfolie dazwischen um ein Aufleimen auf der Platte zu verhindern. Irgendetwas Greifbares zum Beschweren auf die Decke gestellt. Heißer Knochenleim in den Riss, fix mit dem Keil zusammengedrückt, und dann noch ein paar "Pflaster" draufgeleimt - das sollte halten!

Liederbolt
(22 Posts bisher)
01.04.2015 20:53 (UTC)[zitieren]
Drei kleine Stellen in der Rosette sind beschädigt - batsche mit etwas Kalt-Hautleim angefärbtes Fliegengitter dran.



Die Risse am Boden wurden versorgt. Die Balkenverbindungen in der Schale werden angelöst.



...und die Balken dann unter heißem Bügeleisen herausgehebelt. Die Außankante der Nut wird an je einer Seite so weit abgetrennt, dass später die Decke mitsamt den Balken gerade mal eben seitlich unter dem Griffbrett eingeschoben werden kann - so kann ich das Griffbrett dranlassen. Hatte erst überlegt die Decke direkt auf die Schale mit den Balken zu leimen, aber Renatus riet mir lieber erst die Balken fest an der Decke zu fixieren.



Die Decke ist fertig - wo auch immer ein Riss nur im Begriff war sich zu entwickeln, wurde verpflastert - für die nächsten 100 Jahre...



Nun die Balken ohne Leim in die Schale gesteckt, an den Enden je einen Batsch Heißleim, Decke(l) drauf, beschweren. Netter Weise gibt es unter dem Saitenhalter ein kleines Loch, mit welchem der Erbauer einst die Decke am Unterklotz justierte - das tut nunmehr wieder seinen Dienst...



Nach ca. 20 min die Decke zusammen mit den lax angebatschten Balken herausziehen. Um die Balken werden kleine Klötze geleimt, welche die genaue Position markieren.



Die Balken nun wieder herausgenommen... (die frische 2-Punkte-Verbindung lässt sich nach der knappen halben Stunde leicht wieder Runterziehen)



Balken und deren Position an der Decke nun fix mit Heißleim bestrichen, aufgeleimt, gezwungen...
...die Klötzchen = wieder weg...
Die Balken sind nun an der genau richtigen Position fixiert.






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